Vorsicht beim Immobilienverkauf !!

Vorsicht beim Immobilienverkauf.

Wer seine Immobilie privat verkaufen will,muss
zahlreiche Fallstricke beachten.

Der Traum vom unbeschwerten
Lebensabend im angenehmen
Klima von Mallorca schien
für den 70-jährigen Hans Weichert
endlich Wirklichkeit zu
werden als sich nach mehreren
Monaten ein Käufer für sein
Einfamilienhaus am Rande von
Berlin fand, der ohne Zögern
bereit war, die geforderten
280.000 Euro zu bezahlen.
Während der Vertragsunterzeichnung
– in Anwesenheit des
Notars – äußerte der Käufer nur
noch einige Wünsche, die in
den Vertrag aufgenommen
wurden und der Kauf wurde
rechtskräftig beurkundet.
Schon kurze Zeit später musste
Rentner Weichert feststellen,
dass er tatsächlich nur noch
18.000 Euro für sein Haus erhalten
sollte. Nach mehreren
aufreibenden Gerichtsverhandlungen
blieb dem alten Herrn
nach Abzug der Anwalts- und
Gerichtskosten gerade noch so
viel Geld übrig, um ein Flugticket
zur Trauminsel zu kaufen.
Auch die Eheleute Kameke*
hatten sich den Verkauf ihrer
Vier-Wände einfacher vorgestellt.
Sie hatten sich vorab in
der Nachbarschaft umgehört
und erfahren, dass Immobilien
in ihrer Wohngegend zu sehr
hohen Preisen gehandelt wurden.
So wollte man es erst
einmal mit einem hohen Preis
versuchen.
In der ersten Woche meldeten
sich nicht nur viele Interessenten,
sondern auch zahlreiche
Makler. „Ich glaube, wir haben
viel zu billig angeboten,“ meinte
Herr Kameke zu seiner Frau.
Trotzdem blieb es zunächst nur
bei zahlreichen Besuchen von
Neugierigen, ohne dass ein
Kaufvertrag zustande gekommen
wäre. Dass Interessenten
auch am Sonntagmorgen oder
abends vor der Tür standen, war
für Familie Kameke noch vergleichsweise
harmlos. Doch als
auch „Besucher“ eindrangen,
als niemand zu Hause war, und
dabei Teppiche und Wertsachen
mitgehen ließen, war das Maß
voll.
Nun wurde der Preis gesenkt,
weil das Geld für den Verkauf
schon für die neue Immobilie
verplant war. Doch es fanden
sich keine neuen Kaufinteressenten.
Über die Wochen fiel
der Verkaufspreis immer weiter,
bis das Haus schließlich deutlich
unter Marktwert einen neuen
Eigentümer fand.
Wer seine Immobilie privat veräußern
will, der muss auf zahlreiche
Fallstricke achten, die das
Vermögen gefährden. So ist der
Privatverkauf einer Wohnung
oder eines Hauses keineswegs
mit dem Verkauf eines Gebrauchtwagens
oder eines Aquariums
zu vergleichen. Trotzdem
werden noch immer etwa zwei
Drittel der Wohnimmobilien von
Privat an Privat verkauft. Also
aufgepasst: Wer ohne professionelle
Hilfe verkaufen will, sollte
einiges beachten:

Tipps für den Privatveräußerer

– Legen Sie Ihren Verkaufspreis behutsam fest. Eine spätere
Korrektur ist nicht ohne Weiteres möglich.

Beim Gebrauchtwagenverkauf ist es üblich, mit Verhandlungspreisen
zu operieren, denn es handelt sich um Massenprodukte,
die – abgesehen vom individuellen Pflegezustand – völlig vergleichbar
sind.
Eine Immobilie, auch ein Fertighaus, ist dagegen immer ein Unikat.
Dass jeder sein Eigenheim zum bestmöglichen Preis verkaufen
will, ist völlig legitim. Doch sollte der Verkaufspreis behutsam
festgesetzt werden, denn der Spielraum für Korrekturen ist eng,
da die Gruppe der Interessenten viel kleiner ist, als es sich der Laie
vorstellt. Diese Kaufwilligen beobachten über Wochen den Anzeigenteil
der Tageszeitung und kennen das Angebot ausführlich.
Eine Preissenkung löst deshalb nicht automatisch Kaufbereitschaft
aus, sondern weckt leicht den Verdacht, es sei etwas „faul“ an der
Immobilie. (Denn warum sonst sollte der Eigentümer plötzlich mit
Rabatt locken?)

- Geben Sie telefonisch bei Terminabsprachen mit Interessenten
keine Auskunft, dass an bestimmten Tagen oder Zeiten
Ihre Immobilie leer steht.

Am Samstagmorgen klingelt das Telefon und ein Fremder wünscht
Informationen zur Anzeige. Man diskutiert kurz über die Immobilie
und der Interessent wünscht diese zu besichtigen. Nun wird ein
gemeinsamer Termin gesucht. Für den angeblichen Interessenten
ist es nun leicht festzustellen, an welchen Tagen niemand im Hause
ist.


– Verschicken Sie keine Unterlagen (insbesondere keine Pläne)
an Interessenten, die Sie noch nicht persönlich kennen.

Auch mit dieser „Methode“ bekommen wildfremde Menschen
Einblick in die Immobilie, kennen die Pläne und wissen bereits,
wo man am leichtesten einsteigen kann.


– Nennen Sie keine Adresse am Telefon.

Wenn Interessenten Sonntag um 7:00 Uhr bei Ihnen klingeln, ist
das noch das Harmloseste, was Ihnen passieren kann.


– Lassen Sie sich nicht von vermeintlich hohen Verkaufspreisen
locken.

Werden Sie misstrauisch, wenn angebliche Interessenten ohne
Verhandlungen Ihren Preis akzeptieren. Meistens kommen spätestens
beim Notartermin Forderungen auf Sie zu, die Ihr Vermögen
in Gefahr bringen. Wenn Sie selber schon den Eindruck haben,
dass Ihr Verkaufspreis eher hoch ist, gilt doppelte Vorsicht!


– Prüfen Sie die Bonität der Veräußerer, bevor Sie zum Notar
fahren.

Entgegen landläufiger Ansicht ist der Notar nur für die Beurkundung
zuständig, nicht für den Vertragsinhalt und insbesondere
nicht für die Bonität (Vermögensverhältnisse) des Käufers.


– Suchen Sie sich einen professionell arbeitenden Makler.

Was spricht denn wirklich gegen die Zusammenarbeit mit
einem guten Makler?

Kommt es zum Verkauf zu einem marktgerechten Preis und hat
der Makler diesen Abschluss zügig und ohne größere Belästigung
durch häufige Besichtigungen erzielt, dann hat der Verkäufer eine
gute Leistung zu einem fairen Preis erhalten.